Kalwaria Zebrzydowska

Es war wohl eine Art Betriebsausflug: Über die Ostertage fuhr ich mit einer Kollegin und einem Kollegen nach Polen, um Passionsspiele in der Nähe von Krakau zu fotografieren. Ein Adliger hat hier Anfang des 17. Jahrhunderts nicht nur ein Kloster gebaut, sondern auch er gab auch einen Kreuzweg mit 42 Kapellen in Auftrag, den seine Nachkommen bis 1886 vollendeten. Dabei sollte die Landschaft von Jerusalem auf das Beskiden-Vorgebirge übertragen werden. Bis heute werden hier die Leiden Christi alljährlich, sozusagen in einem geistigen 1:1 Modell nachgespielt, zehntausende Teilnehmer schauen sich das Schauspiel an und beschreiten den Prozessionsweg. Das Wetter war alles andere als schön, aber die Szenrie bekam in dem stetigem Nieselregen eine ganz besondere Aura.

Ein Priester auf die Ankunft der Pilger vor der Kalwarienkapelle Grob Matki Bozej. Er ist nicht der einizige.

Auch ein Junge und seine Mutter sind schon zeitig da. Frühes Kommen sichert auch hier gute Plätze.

Auf dem Weg warten Brezelverkäufer auf hungrige Pilger.

Und da kommen Sie den "Pfad des Herren Jesus" Richtung Most Anielski Bruecke hinunter. Tausende Gläubige laufen an zwei Tagen den sechs Kilometer langen Kreuzweg.

Kalwaria Zebrzydowska steht mit seinen 42 Stationen des Marienwegs und des Leidenswegs Christi auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Am Wegesrand gibt es das eine oder andere zu kaufen, das Jesus wohl nicht umbedingt gebraucht hätte, aber vermutlich das Herz kleiner Jungs höher schlagen lässt.

Fast jeder hat einen Klapphocker dabei, auf dem häufig am Wegesrand gerastet und der vorbeiziehende Zug beobachtet wird.

Für mache Teilnehmer ist es ein traditioneller Osterausflug, andere sind tief religiös bewegt.

An vielen Stationen wird, wie hier vor der Kapelle Kaplica Ogrójca, der Leidenweg Christi von Schauspielern dargestellt.

Jugendliche Darsteller sind offenbar von Ihrer Aufgabe nur mässig begeistert.

Ein Pilger ruht sich aus, während ein anderer Mann an der Kapelle Kaplica Ogrójca betet.

Die Darsteller - Jesus, seine Jünger und römische Legionäre - vor der Kapelle Pjomanie.

Viele Pilger wirken von dem Schauspiel ehrlich ergriffen. Auch wenn (oder gerade weil), sie das sicher schon seit Jahrzehnten verfolgen.

Der Pilgerzug und die Darsteller ziehen weiter zur Brücke Most Na Cedronie.

Einige Pilger waaten neben der Brücke durch den zu dieser Jahreszeit natürlich eisklaten Fluss, zum Teil barfuss.

Jesus und die Legionäre auf dem Weg zur Kapelle Kaplica Zgromadzenia Apostopow.

Der Pilgerzug zieht durch die hügelige Landschaft, in der der Krakauer Woiwode Mikołaj Zebrzydowski im 17. Jahrhundert eine grosse Ähnlichkeit zur Landschaft um Jerusalem fand. Er und seine Nachfahren liessen den Pilgerweg und seine Kapellen errichten.

Bei schlechtem Wetter trägt auch der Mönch gerne Funktionskleidung und auch Legionäre stellen sich unter.

Pilger und ein Darsteller schauen sich das Passionsspiel vor dem Dom Kajfasza an. Damit geht der erste Tag der Prozession zu Ende.

Der zweite Tage beginnt, wie der erste endete: Mit Regen und viel Schlamm.

Pilger besteigen auf dem steilen Weg zur Kosciol Trzeciego Upadku den Berg Golgota.

Sie rasten zwischen den Bäume unter Regenschirmen und -jacken und schauen dem Pilgerstrom zu, der sich auf dem rutschigen Gelände langsam vorwärts bewegt.

Bevor es dem Betrachter auffällt, muss ich hier etwas gestehen: Am zweiten Tag habe ich Jesus und die anderen Darsteller nicht gefunden. Es waren noch viel mehr Menschen als am ersten Tag und ich war nicht sicher, ob die Darsteller schon vorbei geszogen waren oder noch kommen würden. Irgendwann entschied ich mich, mit den viel Pilgern loszuziehen. Tatsächlich kamen die Darsteller aber erst später.

Nichts desto trotz war die Szenerie mit den vielen Menschen auf dem Berg mit seinen kahlen Bäumen beeindruckend.

Am Ziel des Weges warten Mönche neben dem Franziskanerkloster und der Basilika Bazylika Matki Bozej Anielskiej auf Pilger, um ihnen die Heilige Kommunion zu reichen.

Viele beten auf den Knien auf dem Parkplatz neben dem Kloster oder wo auch immer es gerade passt.

Auf einem Markt In der Nähe der Basilika gibt es natrülich die üblichen Heiligenbilder, Devotionalien und Souviniers zu kaufen.

Knieende Gläublige am Endpunkt des Weges der Basilika Bazylika Matki Bozej Anielskiej.